Pilzvergiftung

Giftnotrufzentrale Nord

24h Tel.: 0551/19240

Was tun?

  1. Kontaktieren Sie umgehend die Giftnotrufzentrale! Diese vermitteln Sie, dann weiter an einen Experten in Ihrer Nähe.
  2. Lassen Sie sich in das nächste Krankenhaus bringen und nehmen Sie Erbrochenes, Putzabfälle und Reste der Mahlzeit mit.
  3. Informieren Sie alle an der Mahlzeit beteiligten Personen!
  4. trinken sie keine Milch oder warmes Wasser!

 

Bitte beachten Sie grundsätzlich:

 

  • Sammeln nur Pilze, die Sie zu 100% kennen.
  • Sammeln Sie nie "nach Buch, App oder Internet"!
  • halten Sie sich nicht an überholte "Verhaltensregel" im Umgang mit Pilzen:
    •  Silberlöffeln oder Zwiebeln mitkochen und auf Verfärbung achten
    • Fraßspuren von Tieren sagen nichts über die Giftigkeit aus!
    • Alle Pilze mit Schwamm (Röhren) wären essbar! (bsp.: Satansröhrling)
    • milde schmeckende Arten sind alle essbar (bsp. Grüner Knollenblätterpilz ist ebenfall mild im Geschmack und tödlich giftig!)
  • Machen Sie sich unbedingt mit den essbaren Speisepilzen und mit den giftigen Doppelgängern vertraut
  • sammeln sie keine alte, weiche, bereits angeschimmelte Pilze
  • garen sie Pilze immer gut durch!
  • Bei geringstem Zweifel zeigen Sie Ihren Fund jemandem, der sich sicher damit auskennt. Vorzugsweise einer/ einem Pilzsachverständigen / Pilzsachverständiger Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM)

 


Vergiftungen 2018

aufgrund der langen Trockenheit kaum Vergiftungen.

  • aktuell ca. 76 Anfragen
  • überwiegend Kleinkinder
    • typische Rasen und Wiesenpilze (Heudüngerling, Nelkenschwindling...)
    • Kartoffelboviste
    • Grünblättriger Schwefelkopf
  • kritische Fälle
    • eine Jugendliche hat im Wald scheinbar essbare Pilze roh verzehrt, da sie gehört hatte, dass alles was gut aussieht und gut riecht essbar wäre. Diese Annahme brachte ihr einen Krankenhausaufenthalt ein. Symptome heftiges und langanhaltendes Erbrechen, Durchfälle und heftige Krämpfe. Vergiftung mit Spei-Täublinge
    • eine ältere Dame kam mit schweren Brechdurchfällen ins Krankenhaus, hier zeigte sich eine schwere Hämolyse, sowie ein erhöhter Hämoglobinwert im Urin. Nach rückfragen was gesammelt worden sei: Maronen Röhrlinge, dass würde die Brehdurchfälle erklären, nicht aber die Hämolyse. Andere Grunderkrankungen waren nicht vorhanden. Die Speisereste wurden uns gebracht und wir konnten hier einige Röhrlinge feststellen. Maronen Röhrlinge und Ziegenlippen, aber auch kleine kompakte Lamellenpilze ca. 3-4 cm geschlossener Hutdurchmesser. Nach Mikroskopischer Bestimmung stand fest. Vergiftung mit Kahlem Krempling . Da die Pilze noch sehr klein und fast geschlossen waren, wurden diese im Ganzen gebraten. Dies lässt die Vermutung offen, ob diese überhaupt durchgegart waren oder stellenweise noch roh...

 

Vergiftungen 2017

  • aktuell 83 Anfragen
  • überwiegend Kleinkinder
    • typische Rasen und Wiesenpilze (Heudüngerling, Nelkenschwindling...)
    • Kartoffelboviste
    • Maipilze
    • Risspilze
  • kritische Fälle
    • Ein Versuch mit Rauschpilzen endete im Krankenhaus. Heftige Bauschmerzen und leichte Brechdurchfälle charakterisieren die Symptome, einer Vergiftung mit Grünblättrigen Schwefelkopf
    • eine Verwechslung des Sparrigen Schüppling mit Hallimasch, führte zu heftigen Magen Darmstörungen mit Brechdurchfälle und anhaltender Überlkeit

 

Vergiftungen 2016

 

  • ca. 150 Anfragen
  • über 90% Kleinkinder ohne Symptome
  • mehrere kritische Fälle
    • Anfang des Jahres wurde ein älterer Mann eingeliefert, der im Vorjahr gefundene und eingefrorene Pilze zubereitet hat und darauf hin neurologische Ausfälle zeigte (Erstverdacht: Schlaganfall) nach der mikroskopischen Begutachtung der Speisereste war klar; Pantharina Syndrom
    • eine Frau wurde ins Westklinikum Rissen eingeliefert und zeigte keine erkennbaren Reaktionen auf äußere Reize und eine deutliche Tachykardie, nachdem alle Laborwerte einen Schlaganfall und Herzinfarkt ausgeschlossen, wurden wir kontaktiert, da die Frau einige Stunden vorher Pilze gegessen hätte. Nach der Untersuchung der Speise- und Putzreste unsererseits konnten wir die Diagnose: Pantharina Syndrom stellen und die Patientin konnte erfolgreich behandelt werden und wurde ohne Folgen, einige Tage später wieder entlassen
    • ein Kleinkind (2 Jahre) hat sich mehrere Pilze aus einem Blumentopf gegessen, nach der mikroskopischen Untersuchung -> Gelber Schirmling (Lepiota elaiophylla) welcher Amanitinhaltig ist. Nach Therapie mit Silibinin und weiterer Überwachung konnte das Kind ohne Spätfolgen entlassen werden.
    • ein Anruf aus dem FEK Neumünster, ein Flüchtling zeigte schwere Brechdurchfälle nach einer Mahlzeit  selbst gesammelter Pilze,  zudem wären die Leberenzymwerte bereits angestiegen. Wie mein Anfangs bereits vermutet, bestätigte sich nach der Mikroskopie und des positiven Wieland Tests an mehreren kleineren Fragmenten des Hutes: -> Amatoxin Syndrom durch Ingestion vom Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) der Patient wurde direkt nach der Diagnose vorsorglich ins Transplantationszentrum Kiel verlegt.
    • insgesamt 4 Fälle von schweren Brechdurchfällen, welche nach relativ kurzer Zeit auftraten (1-4h), nach Sortierung Speisereste stellte sich schnell heraus das es nur Röhrlinge waren, zudem konnten wir an einigen größeren Stücke noch eine deutliche Oxidationsreaktion feststellen. Mikroskopisch stellten sich nur Maronen Röhrlinge heraus. Die falsche/schlechte Zubereitung durch zu kurzes Erhitzen zerstörte nicht die hitzelabilen Toxine klassische Pilzvergiftung mit Magen-Darm-Reizung


Vergiftungen 2015

  • ca. 120 Anfragen
  • über 95% Kleinkinder ohne Symptome
  • mehrere kritische Fälle:
  • eine ins FEK Neumünster eingewiesene Patientin zeigte nach einer üppigen Pilzmahlzeit, etwa 12h später heftige Brechdurchfälle, zudem stiegen die Leberenzymwerte. Ein deutliches Anzeichen für ein Amatoxin Syndrom, nach dem Telefonat mit dem Ehemann, der sich selbst als erfahrenen Pilzsammler bezeichnete, wurden uns ein Bild aus dem Pilzkorb zugesandt, welches man vorher noch im Wald gemacht hatte. Im Korb zu sehen waren neben unkritische Arten wie Maronen Röhrling, Riesenschirmpilz und Fichten Reizker, auch mehrere weiße Hüte zu sehen. Alle verfügbaren Speise und Putzreste wurden via RTW zu uns geschickt. Hier raus konnten wir mikroskopisch Sporen vom Grünen Knollenblätterpilz identifizieren. Dies passte auch gut zur Symptomatik. Anscheinend haben sich hier einige Albinoformen vom Grünen Knollenblätterpilz im Korb verirrt. Es sollten nach Aussage des Ehemanns eigentlich Ackerscheidlinge sein... leider konnten wir keine weitere Informationen zum Verlauf erfahren.
  • ein kurioser Fall erreichte uns aus dem UKSH Lübeck, eine Patientin mit türkischen Wurzeln hätte nach einer Pilzmahlzeit folgende Symptome: verschwommenem Sehen, Benommenheit, Muskelzuckungen, Krämpfe in den Beinen, verschobene Pupillenreaktionen. Eine schnelle Diagnostik war im ersten Moment nicht möglich, da weder Speise- noch Putzreste vorhanden waren. Aber dank dem digitalen Zeitalter und dem fotografieren sämtlicher zubereiteter Lebensmittel, konnte uns die Tochter, ein Bild einer Pfanne während der Zubereitung zusenden. Bei der Nachfrage was sie da gesammelt hätte, meinte die Patientin, Kaiserlinge wie in der Türkei auch... und dann passte auch alles zusammen. Bild, Symptome und das fehlen vom Kaiserling in unseren Breiten und die weite Verbreitung vom Verwechslungspartner, dem Roten Fliegenpilz, die Patientin konnte nach der Therapie am Folgetag ohne Beschwerden wieder entlassen werden.

Fliegenpilz (Amanita muscaria) tödlich giftig
Fliegenpilz (Amanita muscaria) tödlich giftig